Die Apostolische Nachfolge

von Martin Wolters

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Die Kirche unter der Diktatur in Weißrussland

Weißrussland oder Belarus war seit dem 18. Jahrhundert Teil des Russischen Reiches, war in Teilen seiner Oberschicht anfangs jedoch polnisch und damit katholisch geprägt. Bis zur Revolution von 1905 unterdrückten die Zaren jedoch massiv jede Form nationaler und kultureller Autonomie. Die Freiheit der römischen und der griechisch-katholischen Kirche wurde rigoros beschnitten; insbesondere die unierten Gläubigen hatten seit ihrem vollständigen Verbot im Jahr 1839 hierunter zu leiden. Lediglich die Eparchie von Chełmno bestand bis 1875, als auch sie vom zaristischen Regime unterdrückt wurde. Die Mehrzahl der Gläubigen des byzantinischen Ritus wechselte zum lateinischen Ritus; die zwangsweise zur Orthodoxie Konvertierten konnten erst nach 1905 zum römischen, nicht jedoch zum unierten, Katholizismus zurückkehren.

Diese Unterdrückung ging nahezu nahtlos in die atheistische Diktatur über, die 1918 mit Ausrufung der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik ihren Anfang nahm. Seit 1922 Teil der UdSSR, war das Land 1941 bis 1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Nach Jahrzehnten eines brutalen Regimes erlangte Weißrussland 1991 die Souveränität, ohne faktisch jedoch wesentliche Bürgerrechte zu respektieren.

Die römisch-katholische Kirche bestand ursprünglich aus dem 1783 errichteten Metropolitansitz Mohilev und der gleichfalls 1783 gegründeten Diözese Minsk. Entgegen dieser Nomenklatur hatte der Erzbischof von Mohilev faktisch jedoch seinen Sitz nicht in Weißrussland, sondern in Sankt-Peterburg bzw. Petro-/Leningrad. Unter den Zaren war eine eigene katholische Hierarchie in Russland mit Rücksicht auf die Alleinvertretungsansprüche der Orthodoxie und nationalistischer Ausrichtung der Politik verboten, so dass der katholische Oberhirte formell einen Titel außerhalb orthodoxer Stammlande trug. Erst 1991, als Johannes Paul II. die beiden Sitze zum Erzbistum Minsk-Mohilev verband und zudem die Diözesen Grodno (1991) und Vitebsk (1999) schuf, erhielt Weißrussland eine eigene katholische Hierarchie. Lediglich Minsk und die seit 1925 bestehende Diözese Pinsk waren bis 1925 bzw. 1946 ordnungsgemäß besetzt.

Am 13. April 1991 ernannte der Papst den damals bereits 76 Jahre alten, seit 1989 als Generalvikar von Pinsk eingesetzten Monsignor Kazimierz Świątek zum ersten Erzbischof von Minsk-Mohilev. Im Konsistorium vom 26. November 1994 stieg er zum ersten Kardinal seines Landes auf. Er blieb, hoch geachtet und respektiert, bis zum 14. Juni 2006 im Amt. Kardinal Świątek steht für die leidvolle Geschichte der katholischen Kirche Weißrusslands: 1944, nach dem Rückzug der deutschen Besatzung, wurde er von den nachrückenden Sowjets verhaftet und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach einigen Monaten Haft in Minsk verbrachte er zwei Jahre im sibirischen Gulag, ehe er in ein Arbeitslager in Workuta transferiert wurde. Erst 1954 wurde Świątek entlassen und kehrte in die Seelsorge nach Pinsk zurück.

Die römisch-katholischen Weißrussen im Exil wurden von Apostolischen Visitatoren betreut:

13.06.1952 - 02.07.1960: Bolesļavs Sloskāns, Titularbischof von Cillio

02.07.1960 - 04.10.1981: Cheslav Sipovich, M. I. C., Titularbischof von Mariamme

01.07.1983 - 02.01.1986: Vladimir Tarasevitch, O. S. B., Titularbischof von Mariamme.

Von 1986 bis zu seinem Tod 2015 war der Priester Alyaksandr Nadsan (08.08.1926 – 15.04.2015) Apostolischer Visitator mit Sitz in London.

 

Bischof Bolesļavs Sloskāns und Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz

 

Die unierte Kirche im heutigen Weißrussland hingegen wurde bereits 1839 verboten. Zwar wurde 1798 ein ruthenisches Bistum Minsk gegründet, jedoch kurz darauf bereits unterdrückt. Bis 1914 wurde es nominell von einem lateinischen Bischof als Administrator mit verwaltet, ehe es 1925 offiziell aufgehoben wurde. Am 16. Januar 1931 konnte der heute selige Bischof Mykola Charnetskyi, C. SS. R., zum Visitator für die griechisch-katholischen Gläubigen in Wolhynien, Cholmshchyna, Polissia und Pidliashshia, also in der nördlichen Ukraine und dem südlichen Weißrussland, ernannt werden. Im Jahr 1939 etablierte der ukrainische Metropolit Andrej Sheptyckyj von Lviv ohne Rücksprache mit dem Hl. Stuhl ein Erzbischöfliches Exarchat Weißrussland, welches 1941 von Rom anerkannt wurde, auf Grund der Kriegsereignisse jedoch bereits 1944 wieder unterging. Von 1939 bis 1940 war Bischof Mykola Charnetskyi, C. SS. R., Statthalter des Exarchates, ehe von 1940 bis 1943 Pater Antoniy Nemantsevich, S. I., erster und einziger Exarch war. Dieser wurde 1942 von der Gestapo inhaftiert und starb am 6. Januar 1943 in der Haft. Untergrundgemeinden bestanden, insbesondere nach der Rückkehr der Kommunisten, seither nicht mehr, und erst 1990 begann die Erneuerung in Minsk, Polotsk und andernorts.

1994 wurde mit dem polnischen Archimandriten Sergey (Jan Sergiusz) Gajek, M. I. C., wieder ein Apostolischer Visitator für die unierten Gläubigen in Weißrussland ernannt. Diese verteilen sich auf ein Dekanat mit damals elf und im Jahr 2007 achtzehn Pfarreien. Dennoch bleibt die Lage gespannt, zumal der Staat nur die russisch-orthodoxe und die römisch-katholische, nicht jedoch die griechisch-katholische Kirche anerkennt. Diese wird lediglich geduldet, ohne aber Kirchen bauen zu dürfen; ein aus der Ukraine stammender Mönch wurde ausgewiesen. Die Pfarreien werden vom Hl. Stuhl als solche anerkannt, ohne jedoch - wohl mit Rücksicht auf orthodoxe Befindlichkeiten - zu einem kanonischen Jurisdiktionsbezirk verbunden zu sein. Der Visitator, der in Rom und Lublin lebt, hält sich nur zur Visitation im Land auf.

 

Der Autor dankt aufrichtig P. Manuil Pyshkovych, M. S. U., Univ, für dessen selbstlose Unterstützung bei der Aufarbeitung dieser komplexen Thematik. Das Foto entstammt dem Archiv des Autors.

 

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